Weiterentwicklung und Projekte
Die Feuerwehr Siegen informiert regelmäßig in intern und auf sozialen Medien über aktuelle Projekte und Entwicklungen. Diese Einblicke zeigen, wie sich der Rettungsdienst stetig weiterentwickelt, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden:
Neues Onboarding – strukturierte Einarbeitung für neue Kolleginnen und Kollegen
Statt eines sofortigen Einsatzstarts wird neuen Mitarbeitenden ein mehrtägiges Einführungsprogramm angeboten. Dieses Onboarding vermittelt ihnen Organisation, Abläufe, Fahrzeuge, Technik und die Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen. Ein gelungener Start schafft Sicherheit und Vertrauen und fördert die Bindung an das Team.
Abschluss der ersten berufsbegleitenden Notfallsanitäter‑Pilotgruppe
Drei Feuerwehrbeamte haben 2021 eine 4½‑jährige, berufsbegleitende Ausbildung zum Notfallsanitäter begonnen und 2025 erfolgreich abgeschlossen. Dank der Anerkennung von Teilen der Rettungssanitäter‑ und Brandmeisterausbildung konnten sie währenddessen weiterhin Schichten im feuerwehrtechnischen Dienst übernehmen. Zwei Absolventen schlossen mit der Bestnote 1,0 ab. Die Kooperation mit der Berufsfachschule der Feuerwehr Hagen zeigt, wie praxisnah und effizient eine solche Qualifizierung sein kann. Nach Abschluss der Ausbildung wurden die Absolventen zu Hauptbrandmeistern befördert.
Vorbeugender Rettungsdienst – von der Idee zur Praxis
Die enorme Zunahme der Einsatzzahlen (2022 verzeichnete der Rettungsdienst der Stadt Siegen über 20 Prozent mehr Notrufe) führte dazu, dass sich das Team mit präventiven Strategien beschäftigte. Inspiriert durch das Vorbeugender‑Rettungsdienst‑Konzept der Berliner Feuerwehr wurde gemeinsam mit dem Klinikum Siegen ein Case Management eingerichtet, regelmäßige M&M‑Konferenzen (Morbidity & Mortality) eingeführt und die Auswertung von Einsatzhäufungen in Einrichtungen der stationären Pflege begonnen. Ziel ist es, den Notfallbegriff stärker patientenorientiert zu definieren und Notfälle zu verhindern oder zu verzögern. In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird der vorbeugende Rettungsdienst als Bündel von Maßnahmen beschrieben, die alle Aktivitäten vor einem Notfall umfassen: Primärprävention (Gesundheitsförderung und Aufklärung), Sekundärprävention (Früherkennung und Einbindung in die Regelversorgung) sowie Tertiärprävention (Vermeidung weiterer Notfälle durch Nachsorge). Die Erkenntnis, dass Hilfesuchende den Notfall definieren und das System professionell, sicher und empathisch reagieren muss, bildet das Leitmotiv der Siegener Initiativen.
Telenotarzt und Digitalisierung der Patientenanmeldung
Der Rettungsdienst bereitet die Einführung eines Telenotarzt‑Systems vor. Zudem ist eine digitale Patientenanmeldung über die Leitstelle bereits im Einsatz, um Krankenhäuser vorab mit wichtigen Informationen zu versorgen und Übergaben zu beschleunigen.
Moderne Technik und datengestützte Entscheidungen
Neu beschaffte Medizingeräte wie Turbinenbeatmungsgeräte, ein neues Ultraschallgerät und AutoPulse NXT sorgen für zukunftsfähige Ausstattung. Die Medikamentenlagerung unter extremen Temperaturbedingungen wurde wissenschaftlich analysiert, um Entscheidungen zur Vorratshaltung zu fundieren.
Kontinuierliche Qualifizierung und Vernetzung
Ein internes Blog‑ und Nachrichtensystem stärkt die Kommunikation. Ein berufsspezifischer Englischkurs in Kooperation mit der Volkshochschule erreicht etwa 60 Prozent der Belegschaft. Weiterhin besucht die Leitung regelmäßig Fachkonferenzen wie das Praxisanleiter‑Symposium in Bielefeld, um sich über Themen wie Akademisierung, Reform der Notfallversorgung, rechtliche Änderungen im Betäubungsmittelgesetz und Telenotarzt‑Ausbildung auszutauschen.
Künstliche Intelligenz im Rettungsdienst (Projekt KIRETT)
Im Rahmen des BMBF‑geförderten Forschungsprojekts KIRETT (2021–2024) erprobte die Feuerwehr Siegen gemeinsam mit der Universität Siegen, dem Deutschen Roten Kreuz und Unternehmen wie CRS Medical ein tragbares Gerät, das durch computergestützte Situationserkennung während eines Einsatzes kontextabhängige Handlungsempfehlungen gibt. Ziel war es, die Erstversorgung in komplexen Situationen (z. B. Massenanfall von Verletzten oder seltene Notfälle wie Schlangenbiss) zu verbessern und Fehler zu vermeiden. Nach Abschluss des Projekts werden die Ergebnisse in den Fortbildungskonzepten berücksichtigt.
M&M‑Konferenzen und morphingestützte Schmerztherapie
Seit 2024 finden halbjährlich M&M‑Konferenzen gemeinsam mit der Notaufnahme des Klinikums Siegen statt. Dabei werden reale Einsätze analysiert, um aus Erfolgen und Fehlern zu lernen. Außerdem wurde 2023 – 281 Tage nach Inkrafttreten der Betäubungsmittelgesetz‑Änderung – erstmals eine eigenverantwortliche Morphingabe durch Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter durchgeführt. Dies erweitert das Behandlungsspektrum erheblich. Die Ärztliche Leitung hat in ihrer SOP festgelegt, dass eine Nachforderung eines Notarztes nicht zwingend erforderlich ist. Dieser Umstand hilft uns allen, die knappe Ressource Notarzt gezielter dort einzusetzen, wo der Notfallsanitäter an seine Grenzen stößt.
Fragen zur Weiterentwicklung oder zu Forschungsprojekten rund um den Rettungsdienst?
Kontakt:
Feuer- und Rettungswache Siegen
Jonas Sobotka
Weidenauer Str. 270
57076 Siegen
Telefon: (0271) 404-4712
E-Mail: j.sobotka@siegen.de